
Während Washington gegenüber Ankara öffentlich Partnerschaft und Zusammenarbeit betont, geraten gleichzeitig immer mehr Personen, Unternehmen und Finanzstrukturen mit Türkei-Bezug ins Visier amerikanischer Sanktionen. Diese gegensätzlichen Signale werfen die Frage auf: Verfolgen die USA gegenüber der Türkei eine Doppelstrategie?
US-Finanzminister Scott Bessent hat angekündigt, Finanznetzwerke konsequent zu verfolgen, die nach Darstellung Washingtons Iran bei der Umgehung amerikanischer Sanktionen unterstützen. Die USA wollen Personen, Banken und Unternehmen aus dem amerikanischen Finanzsystem ausschließen, wenn diese Iran, die Revolutionsgarden oder mit Teheran verbundene Organisationen finanziell unterstützen.
Dabei rückt zunehmend auch die Türkei in den Fokus.
Freundschaftliche Worte – gleichzeitig wirtschaftlicher Druck
Auf diplomatischer und sicherheitspolitischer Ebene betonen die USA weiterhin die Bedeutung der Türkei als NATO-Partner und strategischen Akteur. Gleichzeitig geht Washington gegen einzelne Personen und Unternehmen mit Verbindungen zur Türkei vor.
Genau hier entsteht der Eindruck einer amerikanischen Doppelstrategie: Während gegenüber Ankara öffentlich Kooperation und Partnerschaft demonstriert werden, erhöht Washington über sein mächtiges Finanz- und Sanktionssystem den Druck auf wirtschaftliche Strukturen innerhalb der Türkei.
Bereits Anfang September wurden eine in Istanbul ansässige Bank und zwei verbundene Unternehmen mit Sanktionen belegt. Washington wirft ihnen vor, iranische Finanztransaktionen unterstützt und zur Weiterleitung von Öleinnahmen beigetragen zu haben.
Nun folgen weitere Maßnahmen gegen Akteure mit Türkei-Verbindungen, denen die USA finanzielle Unterstützung für Iran oder mit Teheran verbundene Gruppen vorwerfen.
Sanktionen als politisches Druckmittel?
Damit stellt sich eine weitergehende Frage: Geht es Washington ausschließlich um Iran – oder werden Sanktionen gleichzeitig zu einem Instrument, um Einfluss auf türkische Wirtschafts- und Finanzbeziehungen zu nehmen?
Fest steht: Die Türkei selbst wurde nicht als Staat auf eine amerikanische Sanktionsliste gesetzt. Betroffen sind bislang einzelne Personen, Banken und Unternehmen. Dennoch können solche Maßnahmen erhebliche Folgen haben, weil der Zugang zum US-Finanzsystem und zum Dollar für international tätige Unternehmen von großer Bedeutung ist.
Aus türkischer Perspektive kann deshalb der Eindruck entstehen, Washington versuche indirekt festzulegen, mit welchen Staaten und Unternehmen türkische Akteure wirtschaftliche Beziehungen unterhalten dürfen.
Ankara zwischen Washington und Teheran
Die Türkei befindet sich dabei in einer schwierigen Position. Sie ist NATO-Mitglied und enger sicherheitspolitischer Partner des Westens, unterhält gleichzeitig jedoch umfangreiche wirtschaftliche und regionale Beziehungen zu Iran.
Washington verschärft nun auch die Genehmigungspraxis für Iran-bezogene Geschäfte. Die US-Sanktionsbehörde OFAC kündigte an, entsprechende Sondergenehmigungen künftig nur noch in Ausnahmefällen zu erteilen.
Damit wächst der amerikanische Druck nicht nur auf Iran selbst, sondern auch auf Staaten und Unternehmen, die weiterhin wirtschaftliche Beziehungen zu Teheran unterhalten.
Partnerschaft oder Druckpolitik?
Die entscheidende Frage lautet deshalb: Wie lange können Washington und Ankara öffentlich von strategischer Partnerschaft sprechen, während gleichzeitig der amerikanische Sanktionsdruck auf Akteure innerhalb der Türkei wächst?
Von einem direkten amerikanischen Sanktionspaket gegen die Türkei kann derzeit nicht gesprochen werden. Doch die Entwicklung zeigt, dass Washington bereit ist, sein Finanzsystem auch gegenüber türkischen Akteuren einzusetzen.
Die freundschaftlichen Gesten gegenüber Ankara und der gleichzeitig zunehmende wirtschaftliche Druck ergeben damit ein widersprüchliches Bild – und dürften die ohnehin komplizierten Beziehungen zwischen der Türkei und den USA weiter auf die Probe stellen.





